Projektmanagement
Die wichtigste Projektentscheidung fällt, bevor das Projekt beginnt
Die wichtigste Projektentscheidung ist nicht, wie ihr das Projekt aufsetzt, sondern ob es überhaupt eines werden soll — die Triage ganz am Anfang. Fällt sie auf Ja, hält ein roter Faden das Vorhaben zusammen: eine durchgehende Linie über sieben Stationen von der Vision bis zum Abschluss. Ein Nein zu Beginn kostet fünf Minuten; dasselbe Nein ein halbes Jahr später kostet richtig und viel Frust.
Eine Projektleiterin bei einem Elektroplaner mit 50 Angestellten bekommt im Montagsmeeting den Auftrag, eine neue Planungssoftware einzuführen. Ziele, Business Case, Abschlusskriterien: keine Sprache davon, es soll einfach «gemacht» werden. Drei Monate später fragt die Geschäftsleitung, wann das Projekt fertig sei — niemand im Raum kann sagen, was «fertig» in diesem Fall überhaupt bedeutet.
«Wir starten mal und schauen dann.» Diesen Satz höre ich am Anfang vieler Projekte. Beim Autofahren käme niemand auf die Idee, einfach loszufahren und erst unterwegs zu überlegen, wohin man eigentlich will. Bei Projekten ist genau das Alltag.
Dabei fällt die wichtigste Entscheidung, bevor das Projekt überhaupt beginnt: die Frage, ob es überhaupt ein Projekt werden soll. Und ist sie mit Ja beantwortet, braucht es einen roten Faden — eine durchgehende Linie von der Idee bis zum Abschluss und wieder zurück.
Die sieben Stationen, in fester Reihenfolge
- Problem und Ursachen
- Ziele und Scope
- Business Case
- Anforderungen
- Planung
- Monitoring und Controlling
- Abschluss mit Lessons Learned
Was passiert, wenn eine fehlt
Jede Station arbeitet mit dem Ergebnis der vorherigen weiter. Und wird eine übersprungen, kann der rote Faden reissen und ein Projekt kann sehr schnell orientierungslos vor sich hindümpeln: Anforderungen ohne Problemdefinition führen zu einer Lösung, die kein benanntes Problem löst. Ein Business Case ohne messbares Problem lässt sich nicht rechnen. Ein Projektabschluss ohne Akzeptanzkriterien findet nie statt.
Häufige Fragen
Was heisst hier «Triage»?
Die Entscheidung, ob ein Vorhaben überhaupt ein Projekt ist: nur bei echter Komplexität, eigenen Ressourcen und klarem Anfang und Ende. Vieles gehört ins Tagesgeschäft. Ist die Triage auf Ja, folgt als nächste Frage: Lohnt es sich? (siehe Vor jedem Ja zum Projekt steht die Frage: Lohnt es sich?)
Muss ein KMU wirklich alle sieben Stationen durchlaufen?
Ja, aber schlank. Pro Station genügen wenige Fragen, kein Phasenmodell und kein Formularsatz. Weil im kleinen Betrieb niemand die Reihenfolge von aussen einfordert, hält der Faden nur, wenn ihn jemand bewusst legt.
Was passiert, wenn eine Station fehlt?
Der Faden reisst nicht sofort, sondern später: Anforderungen ohne saubere Problemdefinition lösen kein benanntes Problem (siehe Ein Problem, richtig definiert, ist der erste Schritt zur Lösung), ein Business Case ohne messbares Problem lässt sich nicht rechnen, ein Abschluss ohne Akzeptanzkriterien findet nie statt.
Brauche ich dafür eine bestimmte Projektmanagement-Methode?
Jein. Der rote Faden ist keine Methode und kein Phasenmodell, sondern die Reihenfolge, in der die Fragen auf den Tisch kommen. Diese Reihenfolge basiert auf meinen Erfahrungen. Ob agil oder klassisch ist in meinen Augen zweitrangig.