11. August 2026
by Karina · Video-Nachlese
Die bequemste Lüge, die ich immer wieder höre, geht so: «Wir sind agil unterwegs.»
Da kriege ich manchmal wirklich die Krise.
Denn was in vielen Fällen dahintersteckt, ist nicht Agilität. Es ist Chaos, das man mit einem hübschen Namen verkauft. Kein Backlog, aber täglich neue Prioritäten. Keine Entscheidung darüber, was jetzt nicht gemacht wird — und genau das wäre der Kern.
Agil heisst nicht «wir planen nicht». Agil heisst: kurze Zyklen, klare Prioritäten, echtes Feedback und die Bereitschaft, nach jedem Zyklus etwas anzupassen. Das ist mehr Disziplin als ein klassischer Projektplan. Wer in Sprints arbeitet, muss wissen, was ein Sprint enthält und was nicht. Wer keine Reihenfolge hat, hat keine Agilität, sondern nur eine Warteschlange, in der der lautesten schreiende Chef oder Kunde gewinnt.
Das Unangenehme daran: Das Label “Agil” schützt vor der Diagnose. Solange man Chaos «agil» nennt, ist es eine Methode und kein Problem. Und ein Problem, das nach Methode aussieht, packt niemand an.
Mir geht es nicht darum, jemanden vorzuführen. Es geht darum, ehrlich hinzuschauen: Ist das Flexibilität — oder haben wir einfach nie entschieden, was zuerst kommt?
Agilität ohne Prioritäten ist kein Arbeitsmodell, sondern nur Chaos mit Label.