14. August 2026
by Karina · Video-Nachlese
«Ich bin überlastet. Ich habe zu viele Meetings. Ich bin zu beschäftigt.»
Das wird heute als Stärke gefeiert. Zu beschäftigt sein heisst in der Übersetzung: Ich bin wichtig. Deswegen habe ich so viele Meetings. Und da bin ich der Meinung — hey Leute, das kann es irgendwo nicht sein.
Ich habe das tatsächlich schon beobachtet: Leute, die fünfzig Meter vor dem Bürogebäude schneller werden und dann im Stechschritt hineinlaufen. Als wäre es unglaublich wichtig, dass sie zwei Minuten früher da sind. Niemand wartet. Es gibt keinen Notfall. Es ist Körpersprache für «ich habe viel zu tun, also bin ich wichtig».
Das Problem daran ist nicht die Eitelkeit. Das Problem ist, was es mit dem Unternehmen macht.
Wenn Beschäftigung als Leistung zählt, dann wird niemand mehr eine Sitzung absagen. Niemand wird sagen: Diesen Termin brauche ich nicht, ich lese das Protokoll. Wer seinen Kalender leert, sieht aus, als hätte er nichts zu tun. Also füllt man ihn. Und irgendwann sitzt ein halbes KMU in Meetings, in denen nichts entschieden wird, und die eigentliche Arbeit passiert abends um sieben, wenn endlich Ruhe ist.
Der ehrliche Blick tut weh, ist aber schnell gemacht: Schau dir eine Woche im Kalender an und frag bei jedem Termin, welche Entscheidung dort gefallen ist. Wo nichts entschieden wurde und keine Information geflossen ist, die man nicht auch hätte lesen können, war der Termin überflüssig. Meistens ist das mehr als die Hälfte.
Und dann gilt: nehmt euch mal ein bisschen zurück. Nicht weniger arbeiten — weniger vorführen, dass man arbeitet.
Ein voller Kalender ist kein Beweis für Wirkung. Manchmal ist er nur der Beweis, dass niemand nein sagt.