Führung & Menschen
Befähigen statt verwalten — macht Mitarbeitende zu Problemlösern
Befähigen heisst, Mitarbeitende in die Lage zu versetzen, Probleme selbst zu sehen, zu definieren und zu lösen — statt sie zu managen und jede Lösung selbst zu liefern. Der Gedanke kommt aus dem Lean: Mitarbeitende sind die DNA des Unternehmens. Das Ziel ist, sie zu Problemlösern zu machen.
«Probleme landen immer bei mir auf dem Tisch.» Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis: Solange sich der Chef immer selbst drum kümmert, wird sich das auch nicht ändern. Verantwortung und Vertrauen wurden nie übergeben.
Was befähigt sein, heisst
Konkret bedeutet es, dass Mitarbeitende drei Dinge können.
- Sehen und identifizieren: Der erste Alarm ist oft ein Bauchgefühl — es dauert alles zu lange — oder eine Kundenbeschwerde über zu lange Lieferzeiten. Wer die Verschwendungsarten kennt und auf die eigene Arbeit überträgt, hat schon sehr viel erreicht.
- Definieren: das Problem messbar machen. Nicht «da geht irgendwas schief», sondern: Wir lösen das in drei Tagen, könnten es aber in zwei, die Kunden warten zu lange, die Durchlaufzeit muss runter. Erst wenn es messbar ist, ist es ein definiertes Problem.
- Lösen: in eine strukturierte Problemlösung gehen, die Ursachen identifizieren und eliminieren.
Die Voraussetzung dafür ist: Verantwortung und Vertrauen. Der Chef muss seinen Mitarbeitenden zugestehen, dass sie die Probleme im eigenen Bereich selbst lösen können.
Der Reflex
Der häufigste Fehler kommt aus Ungeduld. Der Chef will die Lösung schnell, sein Reflex ist: «Ich will keine Probleme sehen, sondern Lösungen.» Also greift er vor, traut den Mitarbeitenden das Thema nicht zu und ist überzeugt, er könne es selbst besser. Damit nimmt er ihnen genau die Kompetenz und die Motivation weg, die er sich eigentlich wünscht.
Der Knackpunkt im KMU ist der Anspruch der Führung an sich selbst — als Inhaber oder Geschäftsführer alles können und wissen zu müssen. Solange dieser Anspruch nicht losgelassen wird, kommt die Befähigung nicht in Gang.
Häufige Fragen
Geht es beim Befähigen nicht einfach ums Delegieren?
Nein. Delegieren gibt eine Aufgabe weiter. Befähigen bringt Mitarbeitende in die Lage, Probleme selbst zu sehen, messbar zu machen und zu lösen — und setzt übergebene Verantwortung und Vertrauen voraus, nicht nur eine Aufgabenzuteilung.
Meine Leute sollen selbstorganisiert arbeiten, tun es aber nicht. Woran liegt das?
Meist an einem von zwei Dingen: Es fehlt die Befähigung, Probleme zu sehen und messbar zu machen, oder die Verantwortung wurde faktisch nie übergeben. Selbstentscheiden entsteht nicht per Anordnung, sondern über Befähigung plus tatsächlich abgegebene Verantwortung.
Womit fange ich an?
Damit, die Mitarbeitenden mit den Verschwendungsarten vertraut zu machen, damit sie Probleme im eigenen Bereich erkennen — und dann bewusst nicht vorzugreifen.
Was, wenn die Mitarbeitenden das gar nicht wollen?
Der Einwand kommt aus zwei Richtungen: «Das wollen wir gar nicht» oder «Wo sollen wir ansetzen?», und der Beharrungsreflex «früher ging es doch auch so». Beides bremst. Der Weg führt über kleine, messbare Probleme, an denen sichtbar wird, dass die eigene Lösung doch gar nicht so schlecht ist.