02. November 2026
by Karina
Wer kennt sie nicht, die Serien zu Star Trek? Bei uns liefen sie früher parallel zu den Hausaufgaben. Ich glaube, da konnte man so einiges mehr lernen als bei den eigentlichen Aufgaben. Schade, dass unsere Lehrer das anders gesehen haben.
Der Schauspieler Patrick Stewart ist gestorben, Picard lebt weiter. Und vielleicht ist das ja auch ein guter Zeitpunkt, das, was Picard zu DER Führungsperson gemacht hat, wieder mal aufzulegen. Was macht eine gute Chefin oder einen guten Chef aus? Wer das wissen will, sollte wirklich Star Trek schauen.
Jetzt kann man einwenden, Picard sei eine erfundene Figur, und die zählt nicht. Stimmt. Nur: Er wurde nicht zufällig so. Als die Serie 1987 neu aufgelegt wurde, haben die Macher den Captain bewusst anders angelegt als Kirk. Kein Haudegen mehr, der vorneweg stürmt, sondern jemand, der seine Leute in Ruhe arbeiten lässt und führt. Also das, was in den Managementbüchern als ideale Führungskraft beschrieben wurde und immer noch wird. Picard ist Führungstheorie in Uniform.
Da lohnt sich der Blick. Theoriebücher zu lesen ist eh langweilig.
Picard holt sich Leute, die anders ticken als er
Und bei uns? Wir umgeben uns gern mit Leuten, mit denen wir auf einer Wellenlänge sind. Ist ja auch schön: Es fliesst, es gibt keine Konflikte, man erreicht zusammen die Ziele.
Interessant ist aber auch, sich mal mit Leuten zu umgeben, die eben nicht auf der gleichen Wellenlänge sind. Warum denn nicht? Die Regel dafür ist einfach: Es geht um die Sache, nicht um die Person. Und alle wollen am Schluss dasselbe. Denken in verschiedenen Dimensionen.
Picard fragt zuerst, dann entscheidet er
Das ist genau das, was ich bei jeder Strategieentwicklung sage: Involviert eure Leute. Fragt sie. Entscheiden dürft ihr dann in der Geschäftsleitung oder als CEO, aber erst, wenn ihr die anderen Meinungen abgeholt habt.
Klar, es gibt Entscheidungen, die kritisch oder dringend sind, da muss der CEO auch mal allein ran. Das ist okay. Aber grundsätzlich sollte sich das Management mit den Leuten austauschen, die wirklich an dem Problem arbeiten.
Und wenn alle Meinungen auf dem Tisch liegen, wird entschieden. Make it so. Behaltet den Satz im Hinterkopf.
Picard holt sich auch Rat
Picard geht zu Guinan, wenn er nicht mehr sicher ist. Sie führt die Bar, hat keinen Rang und sagt ihm, was sie denkt.
Wer das bei euch ist, spielt eigentlich keine Rolle. Schön wäre jemand im Verwaltungsrat, es kann aber auch ein persönlicher Berater sein, ein Ehepartner oder Freund.
Auch wer ganz oben steht, weiss nicht immer alles und macht nicht immer alles richtig. Und diesen Druck sollte man sich gar nicht erst aufbürden. Auch ein CEO braucht jemanden zum Reden.
Picard ist menschlich
Picard ist irgendwo auch normal. Er scherzt, er macht Witze, er muss sich emotional nicht verbiegen, um als knallharter Manager rüberzukommen. Auch ein CEO darf normal sein. Einer, der ganz oben steht, ist auch ein Mensch, und er darf sich menschlich zeigen.
Picard hält stand, wenn es ungemütlich wird
Im Business bekommt man Vorgaben und Anordnungen, die nicht immer Sinn machen. Und manche Sachen, ganz ehrlich, macht man nur für die Galerie. Man macht sie, aber wirklich dahinterstehen kann man nicht.
Da die Balance zu finden, ist für eine Führungsperson manchmal ein ziemlicher Kraftakt: einerseits den Anweisungen Folge leisten, ohne sich selbst oder seine Mitarbeitenden zu verbiegen oder in ein Schema zu pressen, das nicht sein muss. Andererseits trotzdem das Mindestmass erfüllen, das andere sehen wollen.
Wie Picard das macht, ist für mich das Herausragende. Das ist Führung. Und ehrlich gesagt der schwierigste Punkt daran. Schaut euch die Folgen mal genau darauf an.
Also: Schaut euch die Star-Trek-Folgen einfach mal wieder an. Diesmal nicht neben den Hausaufgaben, sondern mit dem Blick auf Picard. Es lohnt sich.